FreiLuft - Presse

 

Künstler Jörg Herwegh begibt sich in Aschau auf die Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.

von Elisabeth Kirchner, OVB 30.07.2020

Ein-Mann-Theater im Aschauer Kurpark: Jörg Herwegh begibt sich auf die Spuren des Märchenkönigs.

Viele Legenden ranken sich um den Tod von König Ludwig II. Und auch wenn die Hintergründe wohl nie endgültig geklärt werden, wichtig sei, „ihm die Würde zurückzugeben“. Jörg Herwegh widmete sich in einer Ein-Mann-Inszenierung in Aschau der Geschichte des Märchenkönigs und seines tragischen Todes.

Aschau – Als Ort für seine Inszenierung unter dem Titel „Ludwig Zwo – Wellenschaum“ hatte sich der Künstler eine königliche Kulisse mit unverstelltem Blick auf die Kampenwand und das Priental ausgesucht. Als kleine Bühne diente eine Theke verziert mit einem Portraitbild des Königs und beleuchtet von zwei Fackeln.

Viele Fakten, wort- und gestenreich verpackt

Wort- und gestenreich, berührend und dennoch mit vielen Fakten ging Herwegh auf die bayrische und deutsche Geschichte, auf des Königs Leben und schließlich auf dessen letzten Stunden ein. Zeitversetzt ins Jahr 1949 – also 63 Jahre nach des Königs Tod im Würmsee und dem Jahr des Erlaß des Grundgesetzes – zog Herwegh Bilanz: Zum 1000-jährige Reich, von dem Hitler träumte, das „Gottlob“ aber nur 14 Jahre währte. Zu den Wittelsbachern, “das alte, hohe Adelsgeschlecht,“ dass sich konsequent den Nazis verweigert hatte. Oder zum Würmsee, der erst durch den aufkommenden Tourismus zum Starnberger See wurde. Es war ein weiter Bogen, den Herwegh spannte – und der sich schließlich auf das Leben des Märchenkönigs verengte.

Die Ausstellung „Götterdämmerung. König Ludwig II und seine Zeit“ 2011 auf der Herreninsel zusammenfassend verwob Herwegh die äußeren Umstände der Königszeit geschickt mit der Person des Märchenkönigs. Von frühester Kindheit an zum König-Sein gedrillt und erzogen, das Militärische verachtend, hingezogen zu Musik und Literatur, war Ludwig II. „nicht für den Job des Königs geeignet“, so Herwegh.

Ohne ihn gäb‘s wohl keinen Ring der Nibelungen

Oft werde übersehen, dass er auch viel Gutes in seiner Amtszeit bewirkt habe: Ohne ihn kein Ring der Nibelungen, ohne ihn kein Festspielhaus in Bayreuth, keine Gründung der Polytechnischen Hochschule und des Maximilianeums. Talent, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen, Ludwigs Wunsch, das Volk durch die Kultur zu erhöhen, das Fehlen eines geeigneten politischen Beraters – das Ganze war letztlich zum Scheitern verurteilt, wie der Künstler urteilte.

Herwegh nahm die Zuschauer noch weiter ein, als er auf die letzten Tage des Königs in Schloss Berg einging. Bis heute sei sein Tod nicht vollständig aufgeklärt, es gebe viele Ungereimtheiten. Kein Wunder also, dass sich auch Literaten des Stoffes angenommen haben. Untermalt von Wagnerischer Musik rezitierte Herwegh aus Klaus Manns (1906-1949) Novelle „Vergitterte Fenster. Novelle um den Tod des König Ludwig II von Bayern“, der über das Werk selbst sagte: „Diese Königs-Legende hat die Farben der gemeinsten Kitsch-Postkarten.“ Brilliant, wie Herwegh den Abend-Spaziergang im stürmischen Gewitter-Regen nachzeichnete, wie Ludwig II. sich ins Wasser stürzt, von Gudden ihn noch retten will, aber vergeblich: „Sie sinken herab wie ein liebendes Paar.“ Aber, so Herwegh nach atemloser sekundenlanger Stille: „Diese Darstellung Manns ist künstlerischer Freiheit geschuldet.“ Viele Fakten sprächen dagegen.

Königliche Spuren in der Literatur

In ihrem Gedicht „Der Prinzregent“ habe Kaiserin Sissi keinen Hehl aus ihrer Verachtung des Nachfolgers, des Märchnenkönigs Prinzregent Luitpold, gemacht: „Seine Neffen stieß er heimtückisch von dem Thron…“

Eine weitere literarische Fantasie über das Ableben des Königs habe er bei Mori Ogai (1862-1922) gefunden, ein japanischer Militärarzt und Literat, der in den 1880r-Jahren in Deutschland studierte und bis heute als der Übersetzer der Werke Schillers und Goethes ins Japanische gilt. Bei Ogai verliebt sich Ludwig II. unglücklich in eine Angestellte des königlichen Hofs, so Herwegh. Deren Tochter, eine Blumenverkäuferin, fährt Jahre später mit einem Freund an den Würmsee. Und während man rudert, passiert das Boot auch Schloss Berg, wo Ludwig II. mit seinem Leibarzt spazieren geht.

Der Monarch erkennt die Geliebte

Der König wiederum glaubt seine ehemalige Geliebte Marie zu erkennen, stürzt sich ins Wasser, und ertrinkt zusammen mit von Gudden. Aber auch die vermeintliche Marie, die nur weg will, fällt ins Wasser und ertrinkt unglücklich. Aber auch damit kläre sich nicht, wie der König umgekommen sei. Herwegh: Allein, man solle ihm die Würde zurückgeben, denn „Wellenschaum lässt die Phantasie niemals ruhen.“

Weitere Aufführungen unter freiem Himmel

Weitere Aufführungen von „Ludwig Zwo –Wellenschaum“ mit Jörg Herwegh gibt es am Samstag, 1. August, um 20.30 Uhr im Schlosshof Haag, am Freitag, 7. August, um 18 Uhr in Bad Endorf im kleinen Park hinter der Kirche, am Freitag, 14. August, und Samstag, 22. August, jeweils um 20.30 Uhr im Aschauer Kurpark sowie am Sonntag, 23. August, um 20.30 Uhr auf der Rathauswiese in Fridolfing.

 
 
 

ovb online am 10.07.2020 über RabenSchaben

Mehr als nur heile Kinderwelt

Schlüpfen mit kleinem Aufwand überzeugend in ihre Rollen: Jörg Herwegh und Kirsten Lossin als Esel und Fuchs.

Wasserburg – Es wird wieder Theater gespielt auch für Kinder und Jugendliche.

„RabenSchaben“ heißt das neue Programm, das Jörg Herwegh schon vor dem Corona-Ausbruch geplant hat, wobei er die viele spielfreie Zeit nutzte zum Basteln von Masken. Denn vorgeführt wird in „RabenSchaben“ eine Vielfalt von Tieren, wie sie in den zugrunde liegenden Fabeln eine bedeutende Rolle spielen. Stehen sie doch alle für menschliche Schwächen: sie sind eitel, überheblich und auch mal frech.

„RabenSchaben“ ist ein Bestandteil des Theaterprojekts „Freiluft“, mit dem das Theater Herwegh in diesen Wochen an zahlreichen Orten im Landkreis unterwegs ist.

Kurz, prägnant und klare Aussagen

Das Schöne: Fabeln sind kurz, prägnant und haben vor allem eine klare Aussage. Also alles, was Kinder lieben. Jörg Herwegh hat nun aus diversen bekannten und unbekannteren Geschichten ein 60-Minuten-Programm erstellt, wozu es natürlich eine Rahmenhandlung brauchte: eine Bäuerin und ihren faulen Sohn. Die beiden erleben allerlei Abenteuer – eine Herausforderung für die beiden Kindertheater-erfahrenen Schauspieler Jörg Herwegh und Kirsten Lossin, die in Windeseile von einer Rolle in die andere schlüpfen. Ihre aus Pappmaschee mit billigem Mehl als Kleber selbst gebastelten Halbmasken (die Baumärkte hatten im Lockdown ja geschlossen) erinnern an die Commedia dell´arte. Ebenso ihre auf Körperhaltung und typische Bewegungsmuster basierende Bewegungsart.

So erlebt man ein pfiffig turbulentes Treiben, das einen ganz eigenen Charme entwickelt, jenseits des Erzähltheaters der Fabeln. Es wird mitnichten eine heile Kinderwelt mit lieblichen Geschichten vorgestellt, aber zumindest steht ein Happy End am Schluss. Da finden in der ausgedörrten Welt die verzweifelte Taube und der Maulwurf einen Weg, doch noch die letzte Wasserreserve in einem Fass für sich nutzbar zu machen. Sie werfen Steine hinein, der Wasserspiegel steigt, und so müssen beide nicht verdursten.

Ute Fischbach-Kirchgraber

 

 

 

 

 

 

 

 

ovb online über "Raumschiff DrENTERhalb"

Theater Herwegh zeigt unter freiem Himmel „Raumschiff DrEnterhalb“

Auf Freiluftaufführungen setzt das Theater Herwegh mit seinem neuen, auf Corona-Zeiten abgestimmten Programm. Eines der dabei gespielten Stücke ist die skurille Raumschiffposse „DrEnterhalb“. Zwei Bavoronauten werden ins Weltall geschickt, um den Aliens bairisches Kulturgut zu vermitteln - mit kräftigen Anleihen an Star Trek.

von Ute Fischbach-Kirchgraber

Wasserburg – Lachhaftes ist trotzdem zum Lachen, dachte sich Jörg Herwegh zu Recht und griff zum Theater-Wiederauftritt in Zeiten von Corona voll in die Klamottenkiste bei seinem neuen Freiluft-Programm „Raumschiff DrEnterhalb“. Da machen sich drei Bavaronauten auf in die unendlichen Weiten des Weltraums, um den Aliens bairische Kultur nahezubringen. Wobei das mit den drei stimmt nicht so ganz, denn da ist ein Quoten-Preuße dabei – damit es Zuschuss von der Bundesregierung gab für das Projekt. Und dieser Preuße ist noch dazu eine Frau. Also alles gendergerecht, zumal diese Dame sowieso lieber Wein trinkt, und das Material fürs Bierbrauen an Bord somit länger vorhält für die beiden Herren der Besatzung. Denn dass Wein länger hält als Bier, ist für Bayern irrelevant – jahrelang soll das Bier eh nicht überleben in seiner Flasche.

Die Enterprise stand Pate

Klarer Fall, dass das Raumschiff Enterprise Pate stand, dass Captain Girgl (ganz der Chef: Jörg Herwegh) und Commander Stofferl (krachend derb: Steps Lossin) in ihrer Trainingsanzug-Raumfahrerkleidung sofort identifizierbar sind. Lieutenant Ur-Sula (subversiv feminin: Kirsten Lossin) beglückt mit Minikleid und Stiefeln das Zuschauerauge.

Zum Einstand erfolgt ein herzhafter Biss in eine Leberkässemmel, was den Funkverkehr zu einem space-igen Rauschen verhilft. Überhaupt ist der Übergang von Space und Spaß fließend, vor allem, wenn sich der Captain Girgl die offene Bierflasche in die Hosentasche steckt und artig das Bein hebt, wenn er sein Glas füllen will. Eine neue bayerische Kulturtechnik ist geboren.

Auch "Buchbinder Wanninger" mit von der Partie

Und wie sieht es aus mit der Mission? Was gehört alles zur bairischen Kultur, die man den Aliens nahebringen will? Die beiden Herren probieren dazu Texte. Etwa die Bibel-Version von Michl Erbauer, der konstatiert, dass am Anfang nix war, und dann wieder nix, und dass es wirklich nicht so pressiert hätte, die Welt in acht Tagen zu erschaffen.

Karl Valentins „Buchbinder Wanninger“ darf nicht fehlen und erweist sich als top-aktuell, denn abgesehen vom altmodischen Telefon geht es in einer Whats-App-Gruppe auch nicht sinnstiftender zu. Jörg Herwegh führt das Lachmuskel-strapazierend vor – damals wie heute.

Weiß Ferdl im Raumschiff

Der Weiß Ferdl gurkt mit seiner Straßenbahn der Linie 8 einmal durchs Raumschiff, wobei er einen weitaus interessanteren Einblick in die bayerische Psyche gibt mit einem anderen Text: „I woas ned, wia ma is.“ Nämlich grantig ohne Grund.

Grund zum Grant hat aber Ludwig Thomas Engel Aloisius, der ums Verrecken nicht frohlocken will und seinen Himmel nicht im Paradies, sondern im Hofbräuhaus findet – weshalb die bayerische Regierung noch immer auf die göttliche Eingebung von oben wartet.

Allesamt unverwüstliche bayerische Klassiker-Nummern. Und damit wir mehr über unsere Kultur erfahren, darf Quoten-Preußin Ur-Sula die bayerische Sprache analysieren mit ihrer vielbedeutenden Lautmalerei (Äha), ihrem Konjunktiv 2 und der doppelten Verneinung.

"Preußen" als Aliens?

Und wo bleibt der Alien? Der ist einerseits bereits an Bord, denn was sind Preußen anders als Aliens! Und wie verständigt man sich mit ihm? Indem man die Bordkantine in ein Wirtshaus umwandelt, Blasmusik aufspielen lässt und eine Kellnerin im Dirndl Bier kredenzt. Das hat noch jeden überzeugt. Da ist es nur allzu logisch, dass Ur-Sula mit Alien-Maske auftritt und dem finalen Spuk ein Ende macht: der von ihr zwecks Quotenerfüllung verlangten Valentin-Darstellung zweier Stiegenhaus-Ratschn, in die die Herren sich astrein handgreiflich verbeissen. Und da darf man noch einmal der großartigen bayerischen Beschimpfungs-Kultur lauschen und sich den Blattern-gesteppten Rosenteint auf der Zunge zergehen lassen.

Das Publikum kann angesichts dieses „Raumschiff DrEnterhalb“ gar nicht anders als lauthals lachen. Eine wohltätige Entspannung in Zeiten von Corona. 

ovb online über "Frivol? Jawoll!"

Die Komik des Drumherum-Formulierens

Wasserburg – Ein augenzwinkernd inspirierendes Programm für laue Sommernächte haben Jörg Herwegh und Constanze Baruschke-Herwegh unter dem Titel „Frivol?

Jawoll!“ zusammengestellt. Gezeigt wird es als eine von etlichen Inszenierungen für das „Freiluft“-Programm, mit dem das Theater Herwegh in der Region unterwegs ist. Bei „Frivol? Jawoll!“ flüstern keine Geigen, um in den Himmel der Liebe zu entführen, sondern da perlt das Piano klassische Bar-Harmonien (routiniert an den Tasten: Ernst Hofmann).

Man trinkt keinen Champagner, vergnügt sich vielmehr mit ein paar Whiskey, um in die gewünscht verrucht-liederliche Stimmung zu kommen. Und Bert Brecht braucht schon einen Schnaps, um sich schließlich mit weichen Knien der Hölle zuzuschaukeln.

Die Kraft der Fantasie

So kommt man sich näher, obwohl Corona Distanz verlangt. Doch wer sagt denn, dass man immer gleich übereinander herfallen muss? Jörg Herwegh demonstriert mit einer Decke, die er zärtlich von imaginärem Kopf bis Fuß liebkost, dass das auch in der Fantasie Spaß machen kann. Nackte Tatsachen sind gut und schön, aber der Blick durchs Schlüsselloch ist doch viel aufregender. Man muss ein Auge zudrücken, um mit dem anderen umso besser sehen zu können.

Mädchen, die sich wie die Lämmlein still duldend hinlegen, sind wohl reine Männerfantasien: nicht schlecht, aber eher langweilig. Da vergnügt man sich doch viel lieber mit einer alten Postkarte vom Flohmarkt, die Autorin Ulla Hahn sehr sinnlich beschreibt. Denn da geht es um eine erotische Darstellung einer Dame, deren Rüschenkleid bis zum Halse hochgerutscht ist, und die nun mehr als nur ihre schwarzen Lochstrümpfe präsentiert. Dazu der Mann ohne Hose, aber anständig bekleidet mit Socken und Schuhen. Dem Abnutzungsgrad der Karte nach zu schließen ein viel benutztes Bild.

„Ran an die Madame“ ist die Devise. Ob es nun oden-mäßig überhöht mit Klopstock formuliert ist oder eher sprachlich assoziierend wie bei Robert Gernhardt: Mutter Natur und fleischliche Waden haben Hochkonjunktur. Selbst ein so ehrwürdiger Dramatiker wie Franz Grillparzer hat sich dem Küssen gewidmet.

Auf der anderen, der sprachlosen Seite steht dafür die Anekdote vom Xaver, der sich erst mit sechs Mass Mut ansäuft, seiner Angebeteten sein Geleit anträgt, und dann doch kein rechtes Wort findet („I red ned gern“), sondern auf Taten verweist („Soll i eam außa doa?“).

Die Sprachlosigkeit angesichts des Tabus, das Drumherum-Formulieren ist urkomisch. Auch wenn da eine höhere Tochter in einem Brief an ihre Frau Mama die haarsträubendsten Einzelheiten ihres Spiels mit dem Cousin nackt im Wald schildert, aber betont, dass sie sittsam kein einziges Wort mit irgendwelchen Jungs gesprochen habe.

Unbekannte Gerüche

Ebenso komisch Max Goldts unbekannter Geruch des „spermatischen“ Pilzes. Mutter und Vater winden sich heraus, als der Sohn wissen will, was dies bedeutet und verweisen auf die Biologie-Lehrerin, die schließlich damit herausrückt: Der Pilz riecht eben wie ein ungelüfteter Schlafsaal einer Jugendherberge. Und spermatisch kommt von Sperma. So einfach ist das. Manchmal muss man eben alle Reinheit verdrängen und alles vollsauen. Ludwig Thoma schließlich berichtet vom nächtlichen Damenbesuch im Stockfinstern, der allerdings nicht die gewohnte Freundin war…

„Sex is a wonderful habit“ singt Constanze Baruschke-Herwegh mit wissendem Lächeln am Ende und entlässt das Publikum in die laue Nacht. Und im Hintergrund schwebt die Frage: Hast Du heute Abend schon etwas vor?

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